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Eine Welt e.V. Herrieden |
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Brief im Dezember 2003 von Pater Reinaldo Brumberger Concepción in Bolivien |
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Liebe Verwandte, Freunde und Wohltäter! Wieder geht ein Jahr zu Ende. Weihnachten und Neujahr stehen vor der Tür. Ein Anlass, uns zu schreiben und zu beglückwünschen. Es sind kleine Zeichen der Verbundenheit, der Zuneigung, der gegenseitigen Unterstützung auf dem Weg durch diese Zeit. Diese Zeichen sind wie Blumen am Weg! So möchte auch ich wieder mal was hören lassen aus dem fernen Bolivien. Viele von Ihnen haben sicherlich heuer von Bolivien aus der Presse und im Fernsehen gehört, denn wie gewöhnlich, auch wenn die deutsche Presse nicht davon berichtet stehen wir am Abgrund: trotz teilweisem Schuldenerlass zunehmende Armut, große Arbeitslosigkeit, Rauschgift und kein Ende, Korruption, Gewalt und Verbrechen, Streiks und Demonstrationen ... Im Februar gab es ca. 30 Tote zwischen Polizei und Militärs! Im Oktober musste der Präsident nach wochenlangen Protesten, Straßenblokaden und ca. 80 Toten das Land verlassen. Sein Vice ist jetzt Präsident, doch viele sagen, dies sei nur eine momentane Ruhe, aber kein Friede! Da viele von Ihnen unsere Missionsarbeit tatkräftig unterstützen, nehmen Sie sicherlich auch mit Interesse Anteil an dem, was hier in Bolivien geschieht, denn auch unsere Arbeit wird positiv oder negativ von der allgemeinen politischen und sozialen Situation des Landes beeinflusst. Als Kirche leben wir nicht auf einer paradiesischen Insel! Im Gegenteil, wir haben jeden Tag mit den konkreten Problemen und Konflikten des Landes zu tun. Leidet das Land, dann leidet da Volk, dann leidet die Kirche. Ich bin überzeugt, dass wir als Kirche einen kleinen aber nicht unwesentlichen Beitrag zu einem besseren Bolivien beitragen. Natürlich vollbringen wir keine Wunder und haben nur teilweise Einfluss auf eine zunehmende Globalisierung der Gesellschaft und der Welt. Es gibt ja die beiden Sprichwörter mit dem berühmten Tropfen:
Beide Sprichwörter drücken Erfahrungen aus. Beide sind wahr! Doch mit welchem identifiziere ich mich? Mit dem lähmenden ersten oder mit mutmachendem zweiten? Eigentlich möchte ich gerne beide Sprichwörter in eines verschmelzen: Steter Tropfen kühlt den Stein! Fragen an uns alle, auch im alten Europa, denn was ich aus dem Kurzwellensender über Deutschland höre, ist auch nicht sehr erfreulich! Und all die persönlichen Probleme und Schicksale, die es in jedem Leben und jeder Familie gibt! Realitäten muss man sicherlich akzeptieren, auch wenn sie hart oder traurig sind. Dies ist nicht immer leicht! Doch istes sicherlich nicht förderlich, mit Pessimismus zu leben und zu agieren. Dass es einen größeren Zusammenhang, einen tieferen Sinn ... gibt, dafür steht unser christlicher Glaube. Was ist Missionsarbeit heute? So macht man sich eben einige Gedanken! Doch nun Schluss mit dieser "Urwaldphilosophie"! Sicherlich haben Sie alle Interesse an dem, was hier in meiner Pfarrei geschieht, wo Sie konkret die Pastoral und Sozialarbeit unterstützen, und dies schon seit vielen Jahren. Neulich habe ich eine Zusammenstellung dessen gemacht, was in dieser meiner Arbeit hier in Concepción geschehen ist. Nicht alles ist zähl- und messbar! Auch möchte ich bewusst immer "unser" statt "meiner" sagen, denn alles ist sowohl Ergebnis der großzügigen Hilfe aus Deutschland als auch das engagierte Mitmachen vieler Männer und Frauen hier in unserer Pfarrei. Alles ist also nicht mein Werk, sondern unser Werk, auch wenn ich hier vor Ort eine gewisse Verantwortung habe und dieser auch einigermaßen gerecht werden möchte. Vielleicht kann eine kleine Aufstellung verschiedener und bereits realisierter Projekte auch für Sie interessant sein. Man möge aber bedenken, dass unsere Pfarrei das Pfarrdorf und 37 Indianerdörfer im Umkreis von 200 km x 100 km bedeutet! |
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4 45 4 16 20 22 7 25 2 |
künstliche Weiher Zisternen Brunnenbohrungen, Pumpen Wassertanks, Motorpumpen Kapellen Gemeinschaftshäuser (DESWOS-Pfarrei) für Indianerdörfer hier in Concepción Pfarrheime, die als Kapellen und Schulen dienen Landschulen Solaranlagen Sanitätsstationen |
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Großen Wert habe ich immer auf die Organisation von Gruppen (Selbsthilfegruppen) gelegt: Mütterclubs, landwirtschafliche Genossenschaften, Reorganisation der Indianerkaziken, Landjugendgruppen, kirchliche Basisgruppen, Ausbildung von ehrenamtlichen Gemeindeleitern, "Pfarrgemeinderäten" in jedem der 37 Indianerdörfer ... Dies erfordert ständige Kurse und Versammlungen und auch eine ständige Begleitung. Doch nur so kann eine organisierte Pastoral in unserer Situation einigermaßen gelingen. Und nur so werden besonders die Indianer und ihre Dörfer "emanzipiert". Alles spricht vom Kampf gegen die Armut! Dass dies weltweit geschehen muss, ist mir klar, und doch wollen wir auch unseren konkreten Beitrag leisten und nicht nur auf die "Politiker" warten. Es ist beides wichtig: Lösungen auf oberster Ebene, doch auch unser konkreter Einsatz hier vor Ort. Es ist keine Übertreibung, wenn immer wieder gesagt wird: "Am meisten und konkretesten hilft die Pfarrei!" Und dies kann auch bewiesen werden! Momentan bauen wir in Brunnenbohrungen windbetriebene Pumpen ein. Es sind Versuche, um zu sehen, wie es funktioniert. Auch mit dem Ackerbau nehmen wir einen neuen Anlauf, um Zugtiere, Pflug und Düngung voranzubringen. Mit der Bölkowstifung haben wir ein Solarprojekt begonnen: Die Bauteile kamen aus Deutschland und ein deutscher Techniker instruierte die Mechaniker in unserer Werkstatt, wie man die Teile zusammensetzt. Heuer haben wir fünf Kapellen eingeweiht und weitere drei sind in Bau. Momentan arbeiten wir noch an sieben kleinen Wohnungen für die Lehrer in Candelaria und einem Haus eines indianischen Gemeindeleiters. Dabei ist die Idee auszuprobieren, wie die Leute mit relativ wenig Hilfe unsererseits doch zu besseren, stabileren und doch im indianischen Stil kommen können. So wollen wir versuchen, das Modell auch in anderen Dörfern durchzuführen. Und auf der Kolpingfarm hilft die Pfarrei mit, ein Freigehege für Tiere, die es hier nur noch wenig gibt, zu organisieren. Dies soll eine zusätzliche Touristenattraktion werden und zugleich Bewustsein schaffen für die vom Aussterben bedrohten Tierarten. Die ersten Strausse sind schon "eingezogen" und bald kommen die Schildkröten nach. Und dies alles zusätzlich zu unserer Pastoral, die wir natürlich auch nicht vernachlässigen wollen und dürfen. So hatten wir monatelang Vorbereitung für Erstkommunion und Firmung, sowohl hier in Concepción als auch in einigen Inianerdörfern. Ich selbst hielt wieder die Religionsstunden mehrerer Oberklassen der Gymnasien und wöchentlich begleitete ich ein Team für die Grundschule des 35 km entfernten Indianerdorfes San Sivestre. Besonders darf ich hier den mexikanischen und bolivianischen Schwestern danken, die am 28. Dezember ihr Goldenes Jubiläum hier in Concepción feiern. Was wäre ich als Pfarrer ohne diese Schwestern und die vielen engagierten Männer und Frauen hier vor Ort! Nach wie vor bin ich ja auch sog. Provikar (Generalvikar) unseres Missionsbistums und da der neue Bischof viel unterwegs ist, gibt es auch einiges zusätzlich zu tun. Gott sei Dank hat er aber auch einen eigenen Sekretär aus Polen mitgebracht, so dass ich nicht so viel mit diesen Dingen zu tun habe. Allerdings bin ich nach wie vor auch für das Internat der 50 Lehrlinge zuständig. Und da fehlen ja die Probleme auch nicht! Nun noch zwei "Andekdoten":
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Nun möchte ich aber schließen! Manches kam sicherlich zu kurz. Für manchen sind die Akzente vielleicht nicht richtig gesetzt ... Ich wollte einfach ein bischen erzählen und Sie teilnehmen lassen an unserer Situation, so weit dies natürlich durch einen Brief überhaupt möglich ist. Jedenfalls möchte ich allen ganz herzlich danken, frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr wünschen! P. Reinaldo Brumberger Kontaktmölichkeiten Pater Reinaldo Brumberger Bankverbindung: Franziskaner-Missionsverein |
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© 2000 Elisabeth Geßler